Die Theorien der Computervermittelten Kommunikation

Im Folgenden möchte ich euch hier jetzt ein paar Theorien der computervermittelten Kommunikation (CvK) erläutern. Weil das Nicola Döring so gut beschrieben hat, werde ich mich hier auch nur auf ihre Erläuterungen beziehen.

Als erstes werde ich mit dem medienökologischen  Rahmenmodell beginnen.

Medienökologisches Rahmenmodell
Medienökologisches Rahmenmodell nach Döring, 2003

Wie man hier sehen kann, ist die Nutzungssituation von verschiedenen Komponenten abhängig. Alle diese Komponenten lassen sich durch unterschiedliche Theorien belegen.
Der Punkt 1 stellt die Medienwahl dar. Der 2. Punkt sind die Medienmerkmale.Der 3. Punkt ist das mediale Kommunikationsverhalten. 4. sind die kurzfristigen sozialen Effekte und 5. sind die langfristigen sozialen Erfolge.

Nicola Döring untergliederte die Theorien zur computervermittelten Kommunikation in folgende Punkte:

  1. Theorien zur Medienwahl
    1.1. Rationale Medienwahl
    1.2  Normative Medienwahl
    1.3  Interpersonale Medienwahl
  2. Theorien zu Medienmerkmalen
    2.1 Kanalreduktion
    2.2  Herausfiltern sozialer Hinweisreize
    2.3  Digitalisierung
  3. Theorien zu medialen Kommunikationsverhalten
    3.1.  Soziale Informationsverarbeitung
    3.2 Simulation und Imagination
    3.3 Soziale Identität und Deindividuation
    3.4 Netzkultur
    3.5 Internetsprache

Ja, das hat mich etwas erschlagen. Ich habe mir alle Theorien angeschaut und mich dann für einige entschieden, die die Nutzung  von Facebook, bzw. die Nutzung von Facebookgruppen gut beschreiben könnten.

Falls ihr es noch nicht in meinen Kommentaren gelesen habt: ich habe mich jetzt für die Nutzung von Facebookgruppen entschieden.
Nach diesem Kapitel hier werde ich eine Schlussfolgerung ziehen, in dem ich alle theoretischen Parts die ich hier erläutert habe, auf mein direktes Beispiel beziehen werde. Also seid gespannt 😉

Die Medienwahl (1) ist für mich ein zentraler Aspekt. Für mich muss es irgendwie einen Grund geben wieso sich Menschen auf facebook zusammenfinden und nicht irgendwo anders.
Frau Döring schrieb, dass diese Medienwahl von drei Faktoren beeinflusst wird:

  • Medienbezogene Faktoren (z.B. Verfügbarkeit, Kosten-u. Zeitaufwand, Aufgabeneignung)
  • Personenbezogene Faktoren (z.B. Medieneinstellung, Mediengewohnheiten, Ziele)
  • Interpersonale Faktoren (z.B. Soziale Normen, Zwang)
    Vgl. Nicola Döring, 2003, S. 191

a)      Theorie der rationalen Medienwahl

Diese Theorie „erklärt aufgabenspezifische Medienwahlmittels medienbezogener Faktoren (v.a. Kosten und Aufwand, (…), soziale Präsenz, (…)).“ (Döring, 2003, S. 191)
Wichtig für den Nutzer sind hierbei zum einen die soziale Präsenz, die mediale Reichhaltigkeit und ein Backchannel-Feed.
Die soziale Präsenz wird dann als hoch empfunden, wenn das Medium einen gewissen Grad an Persönlichkeit und Geselligkeit vermitteln kann. Die mediale Reichhaltigkeit soll eine „Bearbeitung mehrdeutiger Botschaften“ (ebd, S. 132) ermöglichen, ebenso wie den Umgang von mehrdeutigen Wörtern.
Der Backchannel-Feed beinhaltet einfach nur die Möglichkeit ein Feedback zu geben oder zu bekommen.
Neben all dem lässt sich immer die Frage stellen, welches Medium für welche Zwecke geeignet ist.

Die Media Synchronity-Theorie von Dennis und Valacich (1999) finde ich auch sehr gut um die Nutzung von Facebookgruppen zu beschreiben. Sie haben fünf Medienmerkmale zusammengetragen, die wichtig sein können für eine Entscheidung für die Nutzung eines Mediums zur Kommunikation:

  • Geschwindigkeit des Feedbacks: Wie schnell kann auf Botschaften reagiert werden?
  • Symbolvarietät:  Wie viele Symbolsysteme stehen für die Informationsvermittlung zur Verfügung?
  • Parallelität: Auf wie vielen Kanälen können wie viele Personen gleichzeitig kommunizieren?
  • Überarbeitbarkeit: Wie umfassend und häufig kann ein Sender seine Botschaften überarbeiten, bevor sie verschickt wird?
  • Wiederverwendbarkeit: Wie komfortabel kann ein Empfänger die erhaltene Botschaft ohne Medienbrüche wiederverwenden?

Ich finde diese fünf  Punkte sehr essentiell für die Nutzung von Facebookgruppen. Genaueres dazu werde ich aber in den kommenden Tagen schreiben.

Auch die Theory of Planned Behavior von Ajzen & Fishbein, 1980 beschreibt die Medienwahl sehr gut.
Dieser Ansatz verbindet Verhaltensabsichten mit der Verknüpfung von wahrgenommenen Objekt-u. Medienmerkmalen (kognitive Komponente) auf der einen Seite und subjektiven Merkmalsbewertungen (affektive Komponente) auf der anderen Seite. (Vgl. Döring, 2003)
Wenn ich also zum Beispiel denke: „Über facebook erreiche ich viele Menschen, dort sind viele meiner Freunde angemeldet und es macht mir Spaß dort Bilder zu posten.“, dann werde ich facebook wohl eher nutzen als studi.vz oder Ähnliches.

Ein weiterer Ansatz der hier gut in Verbindung gebracht werden könnte, ist der Uses-and-Gratifikation-Ansatz. Er sagt aus, dass Nutzer ganz bewusst ein Medium bwz. Kommunikationskanal auswählen und benutzen und somit ihre Gratifikationen, also Bedürfnisse, zu befriedigen (Vgl. Blumler & Kratz, 1974).

Immer wieder habe ich auch gelesen, dass viele Ansätze sagen, dass die unterschiedlichsten Medien für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden können. (vgl. Döring, 2003)

b)       Theorie der Normative Medienwahl

Diese Theorie „erklärt globale Medienwahl mittels personenbezogener und interpersonaler Faktoren (v.a. eigene sowie kollektive Medienkompetenz und Medieneinstellungen).“ (Döring, 2003, S. 192)

Hier möchte ich zu Beginn auf das Social Influence Modell der Technologienutzug (Fulk, Schmitz & Steinfield, 1990) eingehen.
Diese Theorie beschreibt, dass es einen äußeren sozialen Einfluss auf unsere Entscheidungsfindung gibt.
Angenommen 90% aller Studierenden und Professoren Nutzen die Plattform moodle2 um ihre Daten dort zu hinterlegen, sich auszutauschen und zu diskutieren, dann sind die anderen 10% regelrecht „gezwungen“ diese Plattform auch zu nutzen. Hier sind also vor allem soziale Konstruktionen bedeutend, die durch soziale Bewertungen geprägt sind (vgl. Hiltz & Turoff, 1993), wie z.B. kulturelle Standards oder organisationale Vorgaben.

Die Adaptive Structuration Theory AST der Techniknutzung (DeSanctis & Poole, 1994)  lässt sich der Strukturierungstheorie von Antony Giddens (1984) unterordnen und beschreibt, „dass Technikgebrauch weder durch äußere Strukturen vorgegeben ist (Determinismus), noch durch eigene (rationale oder irrationale) Entscheidungen völlig frei bestimmt werden kann (Voluntarismus)“ (Döring, 2003, S. 145). Vielmehr ist es eine wechselseitige Beziehung von Technik zum sozialen Handeln. Beide Partien stehen im wechselseitigen Bezug zueinander; die Technik passt sich den sozialen Beziehungen an und ebenso ist es andersherum.

c)      Theorie der interpersonalen Medienwahl

Diese Theorie „erklärt beziehungsspezifische Medienwahl mittels interpersonaler Faktoren (v.a. Erreichbarkeit und Antwortverhalten).“ (ebd., S. 192)

Bei diesem Modell handelt es sich um eine Ergänzung zu den beiden zuvor genannten Modellen der rationalen und normativen Medienwahl. Da ich hier keinen wichtigen theoretischen Punkt für mein Thema sehe, werde ich hier nicht näher  darauf eingehen.

Bei den Theorien zu den Medienmerkmalen (2) möchte ich lediglich auf die Digitalisierung eingehen.

Hierbei liegt die Konzentration auf dem technischen Datenformat.
Durch dieses Datenformat ist es möglich, auf relativ günstigen Wege Informationen schnell von a nach b zu transportieren und diese an viele Menschen zu verteilen, wenn gewollt auch gleichzeitig, Dokumente zu automatisch zu archivieren, zu erneuern oder zu verknüpfen und viele Dienste gleichzeitig zu nutzen, zu bearbeiten sowie Informationen multimedial darzustellen (ebd., 2003).
Die Digitalisierung ermöglicht es uns, Texte beliebig oft zu bearbeiten, zu Duplizieren, zu speichern, weiterzuleiten und zu erstellen.
Eine Folge dessen ist die regelrechte „fast beliebige Erweiterung des Teilnehmerkreises“ sowie der Vermischung von Individual-, Gruppen-, Uni- und Massenkommunikation.
Der Informationsaustausch kann so also auf schnellem Wege, sehr detailliert und einfach dargestellt werden. Nicht zuletzt ist dies alles der digitalen Technologie zu verdanken.

Bei den Theorien zum medialen Kommunikationsverhalten (3) möchte ich speziell nur auf die Netzkultur eingehen.
Hierbei geht man davon aus, dass es in den verschiedenen Computernetzen zur Bildung von sozialen Kommunikationsnetzen durch  eine sogenannte Teilnehmer-Population kommt. Dort wird spezifisches Wissen geteilt, es herrschen eigene Reheln, Gesetze, Gewohnheiten und Rituale. Das Ganze nennt sich dann ein „Kulturraum“ (vgl .Helmers, Hoffmann & Hofmann 1995).

Daraus entwickelte sich zum Beispiel auch eine spezifische Form des Internet-Humors.
Damit ihr jetzt nicht vor möglicher Verwirrung vom Stuhl fallt, fasse ich hier noch ienmal kurz die genannten Modelle zusammen:

Theoretisches Modell

Kernaussage

Medienwahl
Rationale MedienwahlNormative MedienwahlInterpersonale Medienwahl –  CvK-Einsatz für einfache Kommunikationsaufgaben geeignet
– Wenn aufgabenangemessener Einsatz, dann Bereicherung- CvK wird durch soz. Normen beeinflusst => oft irrational oder dys-funktional- CvK-Einsatz wird durch Medienpräferenzen anderer beeinflusst
Medienmerkmale
Digitalisierung – CvK verändert durch Möglichkeit digitaler Datenverarbeitung die Produktion, Verbreitung und Rezeption der Botschaften
Mediales Kommunikationsverhalten
Netzkultur – Erschaffung eigener Kulturräume mit spezifischen Werten, Normen, Konventionen, etc.
=> Beeinflusst Verhalten bei der CvK

Tabelle nach Döring, 2003, S. 187

Zusammenfassend lässt sich sagen: es gibt eine Menge an Theorien und Modellen die die computervermittelte Kommunikation beschreiben. Am zutreffendsten für mein Beispiel finde ich die hier beschriebenen Theorien.

In meinem nächsten Beitrag werde ich dann hier rauf zurückkommen und euch erzählen, wieso ich mich für diese und keine anderen Theorien entschieden habe. Das alles werde ich dann an meinem Beispiel erläutern.

Quellen:

  • Döring, N. (2003). Sozialpsychologie des Internet.Die Bedeutung des Internetfür Kommunikationsprozesse, Identitäten,soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe.
  • Blumler J.G. & Kratz, E. (1974). The Uses of Mass Communications. Current Perspectives on Gratification Research. Beverly Hills, CA: Sage
  • Hiltz, S.R. & Turoff, M. (1993). The Network Nation: Human Communication via Computer. Reading (2nd Edition). Cambridge, MA: MIT Press
  • Helmers, S., Hoffmann, U. & Hofmann, J. (1995). Offene Datennetze als gesellschaftlicher Raum. Das Modell Internet. In EU-Kommission, Vertretung der BRD – Vertretung in Berlin (Hrsg), Europartner Information, Sonderheft April 1995. Berlin: Berliner Vertretung der EU. http://duplox.wz-berlin.de/texte/eu.
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8 Gedanken zu “Die Theorien der Computervermittelten Kommunikation

  1. Liebe newbee91,
    angesichts der Länge deines gut recherchierten Beitrags bin ich vorab schon fast vom Stuhl gefallen – wie du am Ende so schön schreibst – 😉 Schön, dass du am Ende noch eine kurze Übersicht erstellt hast, andernfalls säße ich jetzt wahrscheinlich auf dem Boden 😛 So, Spaß beiseite 😉
    Ich finde du hast dich gut auf einige Aspekte beschränkt! Leider wurde das – zumindest für mich – erst am Ende ersichtlich bzw. wurde mir am Ende deutlich, worauf du hinaus möchtest. Vielleicht kannst du in deiner Gliederung markieren, auf welche Teilpunkte du dich konzentrierst, um dem Leser den Einstieg zu erleichtern 🙂
    Ansonsten bin ich schon sehr auf dein Fallbeispiel gespannt!

  2. Hey newbee91!
    Ich gestehe: Von selbst wäre ich nicht darauf gekommen, das Thema auch einmal aus der Perspektive der Medienwahl zu betrachten. Du hast mir soeben eine Hilfestellung für meinen nächsten Blogbeitrag gegeben, ich denke, dass ich das auch auf „ständige Verfügbarkeit“ anwenden kann. 😉
    Ohne jetzt zu wissen, für welche Theorie du dich entschieden hast (da bin ich noch nicht beim Lesen), finde ich, dass die Media Synchronity-Theorie von Dennis und Valacich (1999) gerade bei deinem Beispiel Facebook-Gruppen ziemlich gut passt: Bei allen Merkmalen, die genannt werden, schreit es doch geradzu schon „JA!“. Facebook erfüllt diese Bedingungen (Geschwindigkeit des Feedbacks, Symbolvarietät, Parallelität, Überarbeitbarkeit, Wiederverwendbarkeit) geradezu perfekt. Ich würde an dieser Stelle frech behaupten, dass Facebook das ideale digitale Kommunikationsmedium ist. Siehst du das ähnlich?

  3. Hey anjamanja,
    es freut mich, wenn ich dich dir eine kleine Hilfestellung geben konnte 🙂

    Ich finde auch die Media Synchronity-Theorie sehr passend. Ich bin bis jetzt noch nicht genauer darauf eingegangen, habe aber vor, alle Ergebnisse die ich bis jetzt hatte, in den kommenden Tagen zusammenzufassen und sie dann auch auf Facebook zu übertragen.
    Das Facebook das ideale kommunikationsmedium sein könnte, möchte ich nicht wagen zu behaupten. Sicherlich erfüllt es sehr viele Kriterien, aber an sich ist die Entscheidung (ob es ideal für die Kommunikation geeignet ist) ja doch eher subjektiv. Aber du hast natürlich recht, laut dieser Theorie könnte es regelrecht ideal sein – ich werde dazu mehr in meinem nächsten Eintrag schreiben 😉

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