Ein aktueller Überblick

Im Folgenden möchte ich heute versuchen, euch einen Überblick zu geben über das, was ich in den letzten Beiträgen zum theoretischen Hintergrund herausgefunden habe.
Ich fasse also alle wichtigen Ergebnisse zusammen und werde sie auf mein Beispiel übertragen.

Hier eine Auflistung der Begriffe, die bisher gefallen sind zum Thema computervermittelter Kommunikation:

a)      medienvermittelte Kommunikation
b)      asynchrone als auch synchrone computervermittelte Kommunikation
c)      Individualkommunikation, Gruppen- und Massenkommunikation

a)
Zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe hier in Deutschland in diesem Jahr, haben sich viele Menschen über Social Networks zusammengefunden. Dort wurden vor allem Helfer akquiriert, es gab aber auch Aufrufe für Spenden, Danksagungen und allgemeine Berichterstattungen, die die User auf dem Laufenden hielten.
Da Facebook ein Social Network im World Wide Web ist, und somit über den Computer, ein Smartphone oder Tablet erreicht wird, handelt es sich hierbei um eine medienvermittelte und auch computervermittelte Kommunikation.

b)
Die Kommunikation über Facebookgruppen würde ich weder als asynchron noch als synchron beschreiben. Ich finde hier liegen die Grenzen sehr stark beieinander.
Natürlich ist es nicht möglich, zeitgleich einen Beitrag durch zwei Personen abzuschicken. Ein Beitrag muss nun mal zuerst auf der Seite erscheinen. Trotzdem können die Beiträge kurz hintereinander veröffentlicht werden, sofern schnell reagiert wird.
Da die Definition von synchroner CvK aber besagt, dass Textbotschaften nahezu parallel verschickt werden können (vgl. Döring, 2003, S. 80) könnte man das also doch auf Facebookgruppen anwenden.
Die Kommunikation muss aber nicht synchron verlaufen. Es kann auch ein Beitrag gepostet werden und die anderen Mitglieder lesen ihn beispielsweise erst am nächsten Tag.
Also: es geht sowohl synchrone als auch asynchrone CvK, es kommt nur  auf den Betrachtungswinkel an.

c)
Die Kommunikation über Facebookgruppen würde ich der Gruppenkommunikation zuweisen. Eine Individualkommunikation ist es nicht, da sich normalerweise in einer solchen Gruppe mehr als 2 Personen befinden (davon gehe ich aus, außerdem haben meine Fallbeispiele jeweils mindestens 35 Mitglieder).
Eine Massenkommunikation ist es für mich auch nicht, da die Gruppe doch irgendwo abgeschlossen ist und nicht der ganzen Welt zugänglich ist. Um mit der Gruppe kommunizieren zu können, muss man dieser erst beitreten.

Hier eine Auflistung der Begriffe, die  bisher zum Thema Theorien der CvK gefallen sind:

a)      Theorien zur Medienwahl (rationale, normative, interpersonale)
b)      Theorien zu Medienmerkmalen (Digitalisierung)
c)      Theorien zu medialen Kommunikationsverhalten (Netzkultur)

a)
Bei den Theorien zur Medienwahl möchte ich mich auf die Media Synchronity-Theorie von Dennis und Valacich (1999) konzentrieren. Sie haben 5 Medienmerkmale zusammengetragen, die wichtig sein können für eine Entscheidung für die Nutzung eines Mediums zur Kommunikation:

  • Geschwindigkeit des Feedbacks: Wie schnell kann auf Botschaften reagiert werden?
  • Symbolvarietät:  Wie viele Symbolsysteme stehen für die Informationsvermittlung zur Verfügung?
  • Parallelität: Auf wie vielen Kanälen können wie viele Personen gleichzeitig kommunizieren?
  • Überarbeitbarkeit: Wie umfassend und häufig kann ein Sender seine Botschaften überarbeiten, bevor sie verschickt wird?
  • Wiederverwendbarkeit: Wie komfortabel kann ein Empfänger die erhaltene Botschaft ohne Medienbrüche wiederverwenden?

Genau diese 5 Punkte sind es, wieso ich mich für diese Theorie an diesem Punkt entschieden habe. Ich finde diese Fakten sehr wichtig um einschätzen zu können, wieso Facebook für die Gruppenkommunikation ausgewählt wurde.
Man könnte sich fragen: Wieso nutzten die Menschen ausgerechnet Facebook? Kann nicht Twitter auch hilfreich bei so etwas sein? Was ist mit anderen Kanälen? Eignet sich Facebook wirklich besser zur Kommunikation und Absprache?

Hier sind meine Antworten zu den 5 Medienmerkmalen:

Geschwindigkeit des Feedbacks: sehr schnell, vorausgesetzt, man ist gerade online und hat die Nachricht/ den Beitrag gesehen und ist gewandt im schnellen Tippen 😉
Symbolvarietät: So gut wie alle Symbole und Buchstaben stehen für die Unterhaltung zur Verfügung. Man kann sogar Smileys und Sonderzeichen einfügen wenn einem danach ist. Selbst Bilder oder Videos, gar ganze Dateien, kann man anhängen.
Parallelität: Unter Kanälen verstehe ich hier die Möglichkeit, in mehreren Gruppen gleichzeitig aktiv zu sein. Das ist sehr gut möglich und wird von Facebook unterstützt.
Überarbeitbarkeit: Jeder Beitrag kann zu jeder Zeit vom Urheber überarbeitet, geändert oder gelöscht werden.
Wiederverwendbarkeit: Das interpretiere ich wie folgt: man kann den Beitrag (Botschaft) in der Art und Weise wiederverwenden, in dem man ihn zum Beispiel kopiert und woanders benutzt.
Ich bin mir allerdings nicht 100%ig sicher, was mit diesem Punkt gemeint ist, dazu gibt’s dann unten den Punkt „Fragen an euch“ 😉

Eine weitere Theorie die ich nicht außer Acht lassen möchte, ist die Theory of Planned Behavior von Ajzen & Fishbein, 1980.
Dieser Ansatz verbindet Verhaltensabsichten mit der Verknüpfung von wahrgenommenen Objekt-u. Medienmerkmalen (kognitive Komponente) auf der einen Seite und subjektiven Merkmalsbewertungen (affektive Komponente) auf der anderen Seite. (Vgl. Döring, 2003)
Das bedeutet im Klartext: die Nutzer von Facebookgruppen haben sich vor der Nutzung Gedanken darüber gemacht, wieso sie gerade über Facebook ihre Kommunikation durchführen. Sie haben eine bestimmte Einstellung, bestimmte Bilder im Kopf die sie dazu bewegen, Facebook als Kommunikationskanal zu nutzen. Sie glauben dort vielleicht viele Menschen  erreichen zu können, schnell kommunizieren zu können oder  sich dort besser zurecht zu finden als bei Twitter o.Ä. .

Alle weiteren Theorien in diesem Feld möchte ich hier außer Acht lassen. Ich finde sie lassen sich nicht so gut auf mein Beispiel übertragen wie die zwei eben genannten Theorien.

b)
Bei den Theorien zu den Medienmerkmalen bin ich speziell auf die Digitalisierung eingegangen. Sie ermöglichte uns komplett neue Formen der Kommunikation. Texte lassen sich schnell erstellen, mehrfach überarbeiten und rasch verbreiten.
Meiner Meinung nach ähnelt das stark der Media Synchronity Theoy, zumal in beiden Theorien die Medienmerkmale hervorgehoben werden. Aus diesem Grund verweise ich wieder auf den obigen Text.

c)
Zuletzt die Netzkultur bei den Theorien zum medialen Kommunikationsverhalten. Da die Gruppen zur Fluthilfe nach meinen Annahmen eher nur zum Zweck dienten, vernachlässige ich hier auch diese Theorie. Eine spezifische Entstehung von Netzkulturen in diesen Gruppen vermute ich nicht. Womöglich finde ich im Laufe meiner Arbeit aber auch noch etwas anderes heraus.

So viel nun zu meinem „Überblick“ der dann wohl doch etwas länger geworden ist….

Nun die Fragen an euch:

  • Was versteht ihr unter dem Punkt Parallelität?
  • Wie interpretiert ihr das Medienmerkmal Wiederverwendbarkeit?
  • Waren meine Schlussfolgerungen und Adaptionen nachvollziehbar und in Ordnung?
  • Würdet ihr etwas anderes interpretieren/ etwas hinzufügen/ anmerken?

Quellen:

  • Döring, N. (2003). Sozialpsychologie des Internet.Die Bedeutung des Internetfür Kommunikationsprozesse, Identitäten,soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe.
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2 Gedanken zu “Ein aktueller Überblick

  1. Liebe newbee91,

    Gratulation zu der gelungenen Struktuierung! Mir wurde anfangs ganz schwindelig wegen der vielen ähnlichen Begriffe. Nein. Spaß beiseite: Du hast das sehr gut dargestellt :D!

    Nun zu deinen Fragen:

    Was versteht ihr unter dem Punkt Parallelität?
    Ich würde sagen, vielleicht nicht nur in mehreren Gruppen aktiv zu sein, sondern auch dadurch über mehrere Kanäle (Gruppen) Informationen zu erhalten. Diesen Aspekt würde ich noch mit aufnehmen.

    Wie interpretiert ihr das Medienmerkmal Wiederverwendbarkeit?
    Du meintest, man kann einen Post kopieren. Ggf. ist damit auch die „Teil-Funktion“ gemeint?!

    Weiterhin viel Erfolg 🙂

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